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08.01. Zuversicht im Lockdown

Trotz Corona hofft der Schachclub, 2021 sein Vereinsjubiläum zu feiern

(al) – Gleichermaßen verrückt wie besorgniserregend empfand man beim Schachclub das zurückliegende Corona-Jahr. „Auch unsere geliebter Schachsport wird auf eine harte Belastungsprobe gestellt“, schrieb SC-Vorsitzender Wolfgang Ruppert an die Vereinsmitglieder und die Eltern der Schachjugend und gestand eine Fehleinschätzung: Anfangs habe man gedacht, die Lockdown-Zeit mit Online-Schach gut überbrücken zu können. Dann aber habe man feststellen müssen, dass dieses Online-Schach zwar „eine nette Alternative“ sei, um schachlich „nicht ganz einzurosten“. Doch „Vereinsschach ist eben viel mehr als nur eine Partie zu spielen“. Es macht halt einen Unterschied, ob man Gegner und Brett vor Augen und nicht nur auf dem Bildschirm hat. Unabhängig von allen Corona-Frustrationen hatten der Schachclub und sein Vorsitzender zum Jahresende aber eine Reihe von positiven Nachrichten rund um den Verein zu verkünden.
Die Schachsaison 2019/20 wurde vom Verband nach langem Abwarten bis 2021 verlängert. Ein für die Flörsheimer herausragendes Saisonziel ist aber schon geschafft, ehe es wieder weitergeht. Im Februar stellte die erste Mannschaft in der Hessischen Verbandsliga Süd den Klassenerhalt sicher – mehr hatte man sich als Aufsteiger und Klassenneuling nicht vornehmen können. Dass dies aber mit drei Siegen aus den ersten sieben Spielen frühzeitig gelingen würde, „hatten selbst die größten Optimisten nicht geglaubt“, freut sich der SC-Vorsitzende. Die zweite und dritte Mannschaft müssen sich in der Main-Taunus-Liga und der Bezirksklasse B noch Sorgen machen, könnten aber den Klassenerhalt packen. Die vierte Mannschaft wiederum mischt in der Kreisklasse B vorne mit und trauert zwei Punkten nach, die ihr am grünen Tisch verloren gingen.
Anfang April spielten die Flörsheimer Schachfreunde ihr erstes Online-Turnier, das an den folgenden Freitagen zur gewohnten Trainingszeit seine Fortsetzungen fand. Der Dank des Vereins geht hier an Günter Weber, der diese Turniere organisierte und auch für die virtuellen „Räumlichkeiten“ sorgte.
Anfang August, nach den Schulferien und dem ersten Lockdown, öffneten die Freunde des königlichen Spiels endlich wieder ihren Schachschrank, holten sich Bretter, Figuren und Uhren heraus und spielten „richtiges Schach“, wenn auch unter den geltenden Hygieneauflagen. Die Vereinsverantwortlichen freuten sich vor allem über die ungebrochene Lust am Schach, die die vielen Jugendlichen demonstrierten. Jugendtrainer Alexander Stegmaier hatte zur starken Motivation des Nachwuchses beigetragen.
Auch beim Training der Erwachsenen war gute Laune zu verspüren. Mit gebührendem Abstand voneinander saß man vor dem Demonstrationsbrett und trainierte. Dass man nicht unbedingt in der ersten Mannschaft spielen muss, um ein besonders spannenden Training anbieten zu können, stellte der junge Vereinsneuling Tobias Heb eindrucksvoll unter Beweis.
Kurz vor dem zweiten Lockdown (den zu diesem Zeitpunkt keiner erwartete) gelang es, den Vereinspokal zu Ende zu spielen. Alexander Stegmaier gewann das Finale gegen Wahid Jamali, den „Spieler des Jahres“ 2019. Für Stegmaier war es der erste Titel beim Schachclub.
Bei der Online-Jahreshauptversammlung im Dezember – mit immerhin zwanzig Teilnehmern – konnten alle Vorstandsämter besetzt werden, was in diesen Corona-Zeiten als „nicht selbstverständlich“ galt.. Mit Tobias Heib hat der SC einen neuen Kassierer, der das Amt vom „alt“gedienten Lukas Platt übernahm. Neben Platt schied auch Dominik Schwarz aus beruflichen Gründen aus, neuer Schachwart ist jetzt Kai Hübner. Hübner wiederum trat sein Amt als Erster Beisitzer an Günter Weber ab. Platt und Schwarz wurden herzliche Dankesworte zuteil; beide sind gewissermaßen im Schachclub „groß geworden“ und werden sicher weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen, so Wolfgang Ruppert.
Auf Antrag des Vorstands entschied die Jahreshauptversammlung, allen Jugendlichen und Studierenden den Jahresbeitrag 2020 zu erlassen. Den anderen Beitragszahlern wird die Möglichkeit eingeräumt, bis zum Ende des ersten Quartals beim neuen Kassierer einen 50-Prozent-Nachlass zu erwirken. Beides ist dem Virus geschuldet, doch möchte die Vereinsführung den Mitgliedern auch „etwas zurückgeben“, so Vorsitzender Ruppert. Sein Appell: „Bitte bleibt dem Verein weiterhin treu verbunden.“
Trotz Corona hält man beim Schachclub daran fest, im neuen Jahr das 100jährige Vereinsjubiläum zu feiern. Mit der Aussicht auf die Impfstoffe ist die Zuversicht recht groß geworden, dieses Fest nicht nur vorzubereiten, sondern auch zu feiern. Es ist schon einiges dafür getan worden. Die Räumlichkeiten sind gebucht (Goldbornhalle in Wicker); ein starker Simultanspieler hat Interesse bekundet, nach Flörsheim zu kommen; man hat Fotos und Zeitungsartikel zur Vereinsgeschichte gesammelt und will zum Jubiläum auch ehemalige Mitglieder einladen.
Der Vorstand und die ehemaligen Vorsitzenden Heinz-Gerhard Kuckuck und Ralf Rupp sowie Thomas Meaubert wollen sich fürs erste weiterhin virtuell treffen, um das Jubiläum vorzubereiten. Virtuell bleibt auch der Schachbetrieb. In Kürze will der Schachclub weitere Trainings anbieten. Wolfgang Ruppert hofft freilich, Ende Januar oder Anfang Februar den regulären Trainingsbetrieb wieder aufnehmen zu können, wenn denn die ersten Impfungen wirksam sind und auch der Lockdown die gewünschten Erfolge bringt.
So hart die Zeiten jetzt auch empfunden werden – vor hundert Jahren hatten es die Gründungsväter des Schachclubs nicht eben leichter. Armut und Arbeitslosigkeit nach dem ersten Weltkrieg bestimmten das Leben, so dass allein die Vereinsgründung am 13. April 1921 heute als „stolze Leistung“ gilt, was man beim Jubiläum gebührend feiern will.